Der deutsche Staat kann bis 2030 mit durchschnittlich elf Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen pro Jahr rechnen als bisher erwartet. Das ergibt die Herbst-Steuerschätzung, die Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Donnerstag vorstellte. Allein für 2027 prognostiziert der Arbeitskreis Steuerschätzung – ein Expertengremium aus Bundesregierung, Wirtschaftsforschungsinstituten, Bundesbank und Statistischem Bundesamt – gesamtstaatlich 10,9 Milliarden Euro mehr als noch im Mai. Davon entfallen 4,1 Milliarden auf den Bund.
Grund für die bessere Prognose ist die anziehende Konjunktur. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumserwartung für 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent angehoben, für 2027 von 0,9 auf 1,1 Prozent. Für den gesamten Staat – Bund, Länder und Kommunen zusammen – erwarten die Schätzer 2027 Einnahmen von knapp über einer Billion Euro. Kumuliert bis 2030 ergibt sich ein Plus von 43,4 Milliarden Euro gegenüber der Frühjahrsschätzung.
Trotzdem dämpft Klingbeil Erwartungen: Für 2027 entstünden keine neuen Haushaltsspielräume, weil die bessere Wirtschaftslage gleichzeitig die erlaubte Neuverschuldung begrenzt. Forderungen nach Steuersenkungen, etwa bei der Stromsteuer, erteilte er damit eine Absage.
Steuerschätzung: Staat nimmt bis 2030 jährlich 11 Mrd. Euro mehr ein
Warum das wichtig ist
Steuersenkungen wie eine günstigere Stromsteuer sind vorerst vom Tisch – trotz der Mehreinnahmen bleibt der Haushaltsdruck für 2027 bestehen.