Wer die Konjunktur ankurbeln will, sollte investieren statt Steuern senken. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Ökonomen analysierten Eurostat-Daten aus zwölf EU-Mitgliedstaaten zwischen 1999 und 2023.
Das Ergebnis ist eindeutig: Jeder zusätzliche Euro an staatlichen Ausgaben steigert das Bruttoinlandsprodukt – also die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes – im ersten Jahr um bis zu 1,30 Euro. Steuersenkungen bringen dagegen nur bis zu 40 Cent je eingesetztem Euro. Staatsausgaben wirken damit fünf- bis sechsmal so stark.
Der Grund liegt in der gemeinsamen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Erhöht ein einzelnes Euroland seine Ausgaben, reagiert die EZB darauf nicht mit Zinserhöhungen – sie richtet ihre Zinspolitik am gesamten Währungsraum aus. Dieser Bremseffekt, der in Ländern mit eigener Zentralbank wie den USA greift, entfällt im Euroraum. Steuersenkungen profitieren von diesem Mechanismus nicht, weil sie tendenziell deflationär wirken.
DIW-Studie: Staatsausgaben wirken sechsmal stärker als Steuersenkungen
Warum das wichtig ist
Für Deutschland bedeutet das konkret: Jeder Euro, den der Staat etwa in Infrastruktur oder Bildung steckt, erzeugt laut Studie mehr als dreimal so viel Wirtschaftswachstum wie eine Steuersenkung in gleicher Höhe.