Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte verlangt eine grundlegende Reform des deutschen Gesundheitssystems. Im Handelsblatt-Interview warnte er: Das Umlagesystem der gesetzlichen Krankenversicherung sei auf Dauer nicht finanzierbar – ähnlich wie bei der Rente brauche es mehr Kapitaldeckung, also eine stärkere Finanzierung über angespartes Kapital statt laufender Beiträge.
Konkret schlägt Bäte vor, dass Versicherte, die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehmen, höhere Beiträge zahlen sollen – allerdings nur dort, wo ein nachweisbarer Zusammenhang besteht. Die Zahlen geben ihm Rückenwind: Nur 17 Prozent der Deutschen nutzen den Gesundheits-Check-Up ab 35, bei der Krebsfrüherkennung bleibt die Hälfte aller Frauen fern. Bei Männern ab 45 nehmen weniger als 20 Prozent die angebotene Früherkennung wahr. Bäte kritisiert fehlende Eigenverantwortung: „Wir haben uns als Gesellschaft angewöhnt zu sagen: Ich habe ein Recht auf alles." Zwang lehnt er dabei ausdrücklich ab – er setzt auf finanzielle Anreize.
Darüber hinaus fordert Bäte weniger Krankenhausbetten, den Abbau von Fehlanreizen bei Operationen und Medikamenten sowie eine offene gesellschaftliche Debatte darüber, was das System noch leisten kann.
Allianz-Chef Bäte fordert höhere Beiträge für Vorsorge-Muffel
Warum das wichtig ist
Wer die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen seiner Krankenkasse regelmäßig nutzt – etwa den Check-Up alle drei Jahre ab 35 – könnte künftig finanziell bessergestellt werden als Versicherte, die sie ignorieren.